OPERA

Der Pantomime Isidoro Fernandez debütierte als Opernregisseur mit einem, in der Operngeschichte einzigartigem Werk:

 Die selten aufgeführte "Opéras minutes" von Darius Milhaud (1927)-. Am Do. 31. Januar und am Fr. 1. Februar 2002 -

19.30Uhr im Aula der Hochschule für Musik Köln.

Die "Minutenopern" (1927) bestehen aus drei, in sich abgeschlossenen Opern von jeweils 9 Minuten Länge

Die Entführung der Europa - Die verlassene Ariadne - Der befreite Theseus

Mit: Raminta Babickaite/Suzanne Engelmann/Achim Hoffmann/Jussi Järvenpää/Tim de Jong/Lucie Kim/

Jens Lauterbach/Franziska Orendi/Christina Rümann/Matthias Wippich/  und dem

Orchester der Hochschule für Musik Köln -  Musikalische Leitung: Stefan E. Wehr


V E R B O T E N E  L I E B E  I M  A L T E N  G R I E C H E N L A N D

Darius Milhauds "Opéras-minutes" von 1927 bilden den ultimativen Gegensatz zu Wagners "Ring", indem sie auch Legendenstoff als Inhalt verwenden (Drei Altgriechische Mythen). Und jede Handlung komplett in drei Akten verlaufen lassen. Aber jede in 10 Minuten, anstatt in 200!

    Zu den drei Librettis: 28 Minuten purer Spannung: 4 Morde, 1 Mordversuch, 2 Entführungen, 1 Nötigung, 1 Ehebruch, 1 Verführung minderjähriger Adoptivtochter, 1 Verleumdung, 1 Metamorphose, 1 Inzest, 1 öffentlicher Selbstmord. Welche brisanten aktuellen Themen! Aktuell wie eine "never ending" Vorabend-TV-Serie.Drei komplette Opern mit Arien, Duetten, Ensemble und Chorpartien in 28 Minuten!

          Aus heutiger Sicht erscheinen die Libretti wie ein Comic Strip: Direkt erzählt, "Action" auf jeder Seite, präzis und klar gezeichnet, mit primären Farben koloriert, und dennoch mit allen Schattierungen und Grautöne.

                     Zur Inszenierung:  Comic Strip? Moment mal! Es gibt Ted Avery genauso wie Walt Disney oder Wolinski. Aber auch die Japanischen Mangas, die wiederum von den Kabuki Helden und Nô-Götten und Dämonen inspiriert sind. Und es gibt die Hindu-Götter des Ramayanas-Epos, mit furchterregenden blauen und roten Gesichte: religiöse Symbole, die wie Comics-Figuren aussehen und handeln. Klarheit und Bestimmtheit als Bildersprache jenseits von Zeit, Orten, Stilen und Moden.

          Auszüge aus Darius Milhauds "Petites Symphonies" (1918-1922) wollen wir als Prologe nutzen, um die verzwickten Götterhandlungen der griechischen Mythologie Visuell (pantomimisch) vorerst zu entwirren.  - Isidoro Fernandez -

In seine Inszenierung verwandelt Isidoro Fernandez drei Griechischen Tragödienthemen in eine Zeitlose, Fulminante Bildersprache. Verbotene Liebe und Morde mit Gruß an Walt Disney, im Ted Averys Tempo und vom Mangas Helden gespielt

 

   Isidoro Fernandez - Hacketäuerstr.78 - 51063 Köln - Germany - Tel./Fax:+49 ( 0)221 56 24 64 -  Mobil: 0179 776 11 82 - isidoro.fernandez@t-online.de 

P  R  E  S  S  E  B  E  R  I  C  H  T



                             Kölner Stadt-Anzeiger - Dienstag, 5. Februar 2002 - KULTUR

Amouröses von den alten Griechen

In der Musikhochschule ergötzten Kurzopern von Milhaud und Menotti.

Zeus verfuhrt Europa, Diogenes tröstet die verlassene Ariadne und das junge Paar Theseus und Phädra befindet sich auf Abwegen: "Man weiß, dass es Spektakel gibt, wenn man sich durcheinander liebt." (Wilhelm Busch) Das ist die Essenz aus Darius Milhauds drei Minuten-opern über die amourösen Eskapaden der Götter, die jetzt zur Verabschiedung des Wintersemesters in der Musikhochschule unter der stringent lebendigen und filigran steuernden Leitung von Stephan E. Wehr zu bravouröser Aufführung kamen.

Auszüge aus den “Petites Symphonies” des Franzosen dienten als Prologe, spannen zarte Klangfäden und entwirrten pantomimisch kompakte Handlungsfäden. Rhythmisches Federn wanderte vom Orchestergraben zu den jungen Sängerdarstellern, welche die ideenreiche und sinnbringende Inszenierung von Isidore Fernandez ernsthaft, detailliert und auf gleichmäßig hohem Niveau umsetzten.

Typen des japanischen Kabuki Theaters standen neben Hindu-Traditionen, Comic-Figuren ließen grüßen. Unter den sängerischen Leistungen kamen vor allem die zahlreichen Ensembles perfekt über die Rampe, bestachen in Homogenität und Diktion.

Wuchtig und monumental

Als Kontrastprogramm zu den zartgliedrigen Miniaturen Milhauds ereignete sich im zweiten Teil des Abends weit wuchtiger und monumentaler Gian-Carlo Menottis “Medium” auf den Brettern.(...) Eine grandiose Aufführung ging damit zu Ende, und es erstaunte mal wieder, welch großer Effekt voll tiefer Aussagekraft auch mit geringem finanziellen Aufwand erzielt werden kann. Man muss halt nur die richtigen Ideen haben. VON MARIEKE RABE